Die Weihnachtskrippe
Eine kleine kulturhistorische Geschichte

„Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun,
kommet das liebliche Kindlein zu schaun.“
Krippenspiele sind heute vor allem in den Christvespern und bei den Kindern beliebt. Bekannt ist vielen gar nicht, dass theatralische Darstellungen der Weihnachtsgeschichte schon seit dem Hochmittelalter verbreitet waren. Die meisten Menschen dieser Zeit konnten nicht lesen und so war es für die Gemeinde ganz besonders ergreifend, den Verkündigungsengel, die Heilige Familie, Ochs und Esel, Hirten und Schafe hautnah zu erleben, wobei die einzelnen Szenen oft in die Liturgie des Gottesdienstes integriert waren und die Gläubigen so zu Mitspielern im heiligen Geschehen wurden.
Die Dramatisierung der Weihnachtsgeschichte fand häufig im Umfeld von Klöstern statt, aber es gab auch Weihnachtsspiele in den Städten, angesiedelt in Kathedralen oder den Kapellen am Fürstenhof. Manche Textvorlagen sind überliefert, bekannt sind auch Beschreibungen von Maschinerien, wie sie später am Theater üblich wurden. Und ganz sicher waren Maria, Joseph, die Engel und die Hirten gekleidet und mit ihren Zeichen ausgestattet, wie es Fresken, Handschriften und Bilder aus dieser Zeit zeigen.