Grünes Gewölbe Dresden

Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb, ein Kabinettstück von Johann Melchior Dinglinger

Der König

Während Dinglinger an der Konzeption zum Großmogul tüftelte, gerieten Sachsen und dessen Herrscher in tiefe Not. August, der sich 1697 die polnische Krone gekauft hatte, hatte drei Jahre später mit Russland und Dänemark einen großen Krieg gegen Schweden um den Ostseeraum losgetreten. Das wuchs sich für Sachsen zu einem politischen und finanziellen Desaster aus und kostete den König bald die neue Krone. Als sein Hofjuwelier erste Andeutungen über ein neues, überaus komplexes Kleinod machte, das in der Werkstatt auf der Frauengasse wuchs, plagten seinen Fürst also die vermutlich schlimmsten Sorgen seines Lebens. Vor allem Geld war keins mehr da und das hatte auch für Dinglinger zeitweilig schlimme Folgen. Denn alles in allem, und es gibt eine ausführliche Rechnung dazu, kostete die indische Pracht 58.485 Reichstaler. Ähnlich viel hatte August kurz zuvor für das Rittergut Pillnitz bezahlt, das er seiner Mätresse, der Cosel, schenkte. Zwei Jahre lang wartete Dinglinger auf die Auszahlung und schrieb schließlich seinem Fürsten einen langen Brief, der erhalten ist. Es dauerte noch bis 1713, bis alle Ausstände erledigt waren, dafür hatte der Kurfürst aber ein Schaustück, würdig eines absolutistischen Herrschers, der zeigen wollte, dass mit ihm noch zu rechnen war.