Grünes Gewölbe Dresden

Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb, ein Kabinettstück von Johann Melchior Dinglinger

Der Künstler

Johann Melchior Dinglinger war ein Ausnahmekünstler über seine Zeit hinaus. Dass er 1692 nach Dresden kam, wurde sowohl für ihn als auch für August, den damals noch nicht Starken, zum Glücksfall. Sechs Jahre später ernannte der den Biberacher zum Hofjuwelier, was Dinglinger bis zum Ende seines Lebens – er starb zwei Jahre vor seinem Fürsten – blieb. Für ihn schuf er kleine Kostbarkeiten und große Schaustücke, oft ohne Auftrag, was trotz allen Vertrauens immer wieder ein Risiko war, denn er musste die edlen Metalle und teuren Steine besorgen und vorfinanzieren. Andererseits bezahlte August alles, was ihm sein Künstler anbot, selbst wenn die Kasse wieder einmal klamm war. Spektakuläre Objekte wie das Goldene Kaffeezeug oder der Hofstaat des Großmoguls spiegelten Macht, Reichtum und Kunstverständnis des Besitzers, das verstand der König, der seinem Vorbild Louis XIV. nacheiferte, sehr wohl. Man beneidete ihn um seinen Hofjuwelier, der eine große Werkstatt auf der Frauengasse führte, in der neben einigen Gesellen auch seine Brüder arbeiteten, die aus Biberach nachgekommen waren.
Die Idee zum Hofstaat des Großmoguls fiel mit einer zunehmenden Lust an exotischen Objekten zusammen, die in Europa in Mode kamen. Neben anderen, oft illustrierte Büchern über den Orient hatte Dinglinger Taverniers Bericht über das Geburtsfest Auranzebs besonders gründlich studiert. Dessen genaue Schilderungen bildeten die Grundlage für sein bedeutendstes Werk, das er schließlich 1708 seinem Fürsten überreichen konnte.