Grünes Gewölbe Dresden

Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb, ein Kabinettstück von Johann Melchior Dinglinger

Der Kaufmann

Diamanten waren seine Leidenschaft und Rastlosigkeit lag in seinem Charakter. Den Sohn eines Kartografen trieb es schon mit sechzehn in die Ferne und bald war ihm Europa nicht weit genug. Mit dreiundzwanzig unternahm er 1628 die erste von mehreren Reise in den Orient. Sie führte ihn bis ins indische Mogulreich, wo er fünf Jahre blieb, die Landessitten erlernte und Verbindungen knüpfte. Neben vielen exotischen Objekten brachte er auch edle Steine nach Paris zurück. Der Großmogul gewährte ihm später einen längeren Aufenthalt im Palast von Delhi und, vielleicht noch wichtiger, den Besuch seiner Diamantgruben. Bevor er aber dorthin aufbrach, durfte er die jährliche, überaus aufwendige Geburtstagsfeier des Herrschers erleben und Dinge sehen, die vor ihm kein Europäer zu Gesicht bekommen hatte.
Tavernier machte im Orient gute Geschäfte und galt in Europa schnell als wichtigster Diamantenexperte. Er rühmte sich, dass beinahe jeder Stein durch seine Hände gegangen sei. Die prächtigsten bot er zuerst Louis XIV. an, Frankreichs Sonnenkönig und Vorbild vieler deutscher Fürsten. Am Ende seines Lebens, bevor er 1689 zu seiner letzten Fahrt aufbrach, von der er nicht wiederkehren sollte, verfasste er auf Grundlage seiner Tagebuchaufzeichnungen ein Buch, das unter dem Titel „Reisen zu den Reichtümern Indiens“ an viele Höfe kam, so auch an den in Dresden